Wiener Kongress-Bilanz 2013 - Es kann nicht immer die Sonne scheinen

Heute präsentierten Norbert Kettner (Direktor Wien Tourismus), Christian Mutschlechner (Leiter Vienna Convention Bureau), Peter Baierl (Executive Director der Europäischen Gesellschaft für Radiologie) und Vera Schweder (eingesprungen für Renate Brauner) im MuseumsQuartier Wien die Kongress-Bilanz 2013.

Und zwar jetzt einmal ein Minus, um es auf den Punkt zu bringen.

Nach Jahren der Rekorde haben wir in Wien dieses Mal keinen Rekord. Oje – wenn man angesichts dieser Tatsache leidet, oder HA, HA – wenn man ein bisschen schadenfroh ist – werden die Reaktionen darauf sein.

Ich sage: Na und?

Als Unternehmer ist es mir nicht fremd, wenn einmal die Zahlen nicht so gut sind, das kann sicher jeder, der ein Geschäft hat und seine Aufträge selbst akquirieren muss, nachvollziehen.

Kongress Wien Location Schloss Schoenbrunn

Tagen im Weltkulturerbe: Schloss Schönbrunn. ©WienTourismus / Manfred Horvath

Ein Minus von neun Prozent bei der Wertschöpfung im Vergleich zu 2012 ist wahrlich kein Beinbruch. Viel schlimmer wäre es, wenn man deshalb in Panik verfiele oder weiterhin mehr vom immer Gleichen machte. Die Zukunft liegt in neuen Ideen und, vor allem, in der Veränderung.

Wie auch Peter Baierl, der, sehr interessant, die Veränderung des Kongress-Touristen, erläutert hat. Der Kongress-Gast von heute verweilt nicht mehr tagelang in der Stadt, sondern ist manchmal nur einen Tag anwesend. Das kann unterschiedliche Gründe haben. Compliance und weniger Zeit wurden als mögliche solche genannt.

Immer öfter komme es vor, dass der Kongress-Gast den Kongress auch noch selbst bezahlen muss. Das erfordert natürlich ganz andere Ideen für Angebote und Dienstleistungen. Vielleicht kann ich bei der Convention4u im Juni ein bisschen was dazu beitragen. Da werde ich als Ideenwecker mit anwesenden Workshop-TeilnehmerInnen versuchen, neue Ideen für die Tagungsindustrie zu entwickeln. Spannende Sache, auch die anderen Workshops sind sehr empfehlenswert. Wer also im Juni Zeit hat, sollte nach Linz kommen. Alle anderen sollten sich die Zeit nehmen. ;)

Jetzt aber wieder zurück zur heutigen Pressekonferenz:

Ein Motto für die Zukunft könnte also sein: Neue Ideen entwickeln und den Mut haben, diese auch umzusetzen.

Der Europäische Radiologie-Kongress, der im März schon zum 20. Mal in Wien stattfand, hat zum Beispiel den gesamten Kongress via Internet übertragen. Alle Teilnehmer und Interessierte können sich somit die Vorträge via Internet noch einmal, oder wenn sie nicht anwesend waren, erstmalig ansehen. Kostenpflichtig. Das ist insofern mutig, weil diese Innovation ja auch keinen interessieren hätte können. Hat es aber (3.000 haben sich online registriert) und das ist auf jeden Fall der richtige Dienstleistungsgedanke. Solche Dienstleistungen werden meiner Meinung nach Standard werden müssen – ausreichend gute Internetverbindung (wie im Austria Center Vienna – lobend erwähnt von Baierl) vorausgesetzt. Aber keine Angst, den persönlichen Kontakt wird das Internet trotzdem nicht ersetzen.

ECR 2014 Copyright IAKW AG

ECR 2014 Copyright IAKW AG

Für Kongress-Teilnehmer, die sich die Veranstaltung selbst zahlen müssen, sollte allerdings ein ganz spezielles Programm angeboten werden. Und dabei darf auf keinen Fall auf deren (Ehe-)Partner vergessen werden. In Zeiten, wo Arbeitszeit und Freizeit immer mehr miteinander verschwimmen, spricht ja nichts dagegen, diese Situation bei der Planung auch zu berücksichtigen.

Das wird meiner Meinung nach nicht ohne neidlose Kooperationsbereitschaft über die Bühne gehen.

Mit „The MICE BOAT“ sind wir gerade dabei, ein Event zu etablieren, das diesen privaten und professionellen Rahmen bieten kann. Wir freuen uns, dass das VIENNA CONVENTION BUREAU diese Bühne nutzen will.

Ein großes Anliegen der Verantwortlichen ist die Einbindung der Wiener Bevölkerung in das Kongress-Geschehen. Norbert Kettner meinte, dass 99,9 % der Wiener wissen, dass Wien eine Kongress-Stadt ist. Das würde ich nicht ganz so sehen. Zumindest die Leute, mit denen ich privaten Kontakt habe, haben meist keine Ahnung, welche Rolle Wien als Kongress-Stadt spielt.

Allerdings kann ich gut nachvollziehen, dass es der Wiener Bevölkerung gut täte, wenn von den Kongressen und dem Wissen, das dort verbreitet wird, auch die Wiener etwas hätten. Kritisch angemerkt wurde heute, dass in der Berichterstattung oft einseitig und nicht nachvollziehbar über (abgehobene) Kongresse berichtet wird. „Der Kongress tanzt“ war einer der klischeehaften Zitate, die uns glauben machen sollen, dass dort nur gefeiert wurde. Dabei ist gerade beim Wiener Kongress 1814/15 wahnsinnig viel gearbeitet worden und es ist auch ordentlich was weitergegangen. Tanzen oder – übersetzt – Spaß haben, ist also kein Hindernis, um einen produktiven Kongress abzuhalten. Allerdings hat der Wiener Kongress neun Monate gedauert, das wäre dann doch etwas lange. ;)

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